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Monsanto: Wie giftig ist Roundup für Menschen?

Laut Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO (Bertolote et al. 2006) gibt es weltweit jährlich rund drei Millionen Fälle von Pestizidvergiftungen, viele davon durch absichtliche Einnahme der toxischen Mittel. Untersuchungen zufolge nehmen sich jedes Jahr rund 300.000 Menschen durch die Einnahme von Pestiziden das Leben: Ein Drittel aller Selbstmorde weltweit wird demnach mit Agrochemikalien verübt (Gunnell & Eddleston 2003).
Monsanto: Wie giftig ist Roundup für Menschen?

Pestizidausbringung (USA)

Es kann daher nicht verwundern, dass auch glyphosathaltige Pestizide – auf Grund der breiten Verwendung in herbizidtoleranten transgenen Pflanzen die am häufigsten eingesetzten Unkrautvernichtungsmittel der Welt – in vielen Ländern der Welt als Mittel zur Selbstvergiftung verwendet werden. Bereits ältere Studien hatten gezeigt, dass das ursprünglich vom US-Konzern Monsanto entwickelte Totalherbizid Roundup in Staaten wie Taiwan, Korea und Japan als Mittel zum Selbstmord verwendet wird (z.B. Lee et al. 2000). Laut diesen Arbeiten endeten rund acht Prozent der untersuchten Fälle tödlich. Auch in Industriestaaten sind vorsätzliche Selbstvergiftungen keine Seltenheit. Laut offiziellen Angaben versuchen sich z.B. in den USA jedes Jahr rund 300 Menschen mit Roundup zu vergiften.

Großstudie zu Suizidversuchen mit Roundup

Im Wissenschaftsmagazin Clinical Toxocology veröffentlichte eine internationale Forschergruppe unlängst die bislang am breitesten angelegte Studie zu humantoxischen Auswirkungen von Roundup. Darin werden rund 600 Fälle von Glyphosatvergiftungen analysiert (Roberts et al. 2010). Die Publikation verdient auch deshalb Interesse, weil verschiedene Wissenschaftler von Monsanto an der Studie mitgewirkt haben.
Bei allen in der Studie untersuchten Menschen handelte es sich um Patienten, die nach der Einnahme von Roundup in Krankenhäuser in Sri Lanka eingeliefert worden waren. Dabei konnten bei rund 75 Prozent der Untersuchten Vergiftungserscheinungen festgestellt werden, rund drei Prozent der Patienten starben.
Leichte Symptomen ließen sich bei rund zwei Dritteln aller Patienten feststellen. Dabei reichten die Beschwerden von Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Bauchschmerzen bis zu gesenktem Blutdruck und erhöhtem Puls.
Bei 5,5 Prozent der Fälle wurden mittelschwere oder schwere Symptomen wie Atemprobleme, Blutdrucksenkung, Herzrasen, verlangsamter Herzschlag, Bewusstseinsstörungen oder schlechte Sauerstoffversorgung des Blutes diagnostiziert.
Rund drei Prozent der Patienten starben innerhalb von 20 Stunden. Todesfälle traten insbesondere bei Alten und Kranken auf. Laut Aussage der Autoren war bereits ein Glas Roundup in der Lage, diese toxischen oder tödlichen Wirkungen auszulösen. Bradberry et al. (2004) kommen sogar zu der Einschätzung, dass Mengen von >85 ml ausreichen, um schwere Vergiftungen zu verursachen.

Was macht Roundup giftig?

Nicht klären kann die Studie allerdings die Frage, welche Bestandteile von Roundup und welche Stoffwechselvorgänge für die toxische Wirkung beim Menschen verantwortlich sind. Die Autoren der Arbeit stellen hierzu lediglich verschiedene Theorien aus der wissenschaftlichen Literatur vor.
Diese legen unter anderem nahe, dass die Toxizität von Glyphosat durch bestimmte Netzmittel, insbesondere Tallowamin, deutlich erhöht wird. Das Pestizid besteht neben seinem Hauptwirkstoff Glyphosat aus zahlreichen Zusatzstoffen sowie deren jeweiligen Abbauprodukten. Unter anderem kann Roundup laut PAN (2009) folgende Stoffe enthalten:

  • Glyphosat
  • Tallowamin (POEA)
  • Propylenglykol
  • Glyzerin
  • Natriumsulfit
  • Natriumbenzoat
  • Sorbinsäure
  • Natriumsalz von o-Phenylphenol
  • leichte aromatische Erdöldestillate
  • Methyl p-Hydroxybenzoat
  • 3-iodo-2-propynyl Butylcarbamat
  • 5-chloro-2-methyl 3(2H)-Isothiazolon

In einzelnen Formulierungen wie dem glyphosathaltigen Pestizid Rodeo fanden sich zusätzlich eine Vielzahl weiterer Stoffe (Diamond & Durkin 1997). Die Interaktion der einzelnen Komponenten erschwert die Ursachenforschung bezüglich der toxischen Effekte von Roundup bedeutend.
Neben der Frage nach dem Grad der Toxizität einzelner Inhaltsstoffe herrscht nach wie vor auch Unklarheit darüber, welche Stoffwechselvorgänge die toxischen Folgen auslösen. Zentral werden zwei verschiedene Theorien diskutiert (z.B. Peixoto 2005; Bradberry et al. 2004). So deuten Untersuchungen darauf hin, dass Roundup Störungen in der Zellatmung bzw. der Energieerzeugung in den Mitochondrien auslöst („oxidative Phosphorylierung“). Andere Autoren gehen davon aus, dass glyphosathaltige Pestizide Schäden an der Zellmembran verursachen.

 

Literatur

Bertolote, J. M., Fleischmann, A., Butchart, A. & Besbelli, N. (2006) Suicide, suicide attempts and pesticides: a major hidden public health problem. Bulletin of the World Health Organization, 84 (4).

Bradberry, S.M., Proudfoot, A.T., Vale, J.A. (2004) Glyphosate poisoning. Toxicol.Rev, 23(3): 159–67.

Diamond, G.L. & Durkin, P.R. (1997) Effects of Surfactants on the Toxicity of Glyphosate, with Specific Reference to Rodeo. Report submitted to U.S. Department of Agriculture. SERA TR 97-206-1b. Syracuse Research Corporation and Syracuse Environmental Research Associates, New York.

Gunnell, D. & Eddleston, M. (2003) Suicide by intentional ingestion of pesticides: a continuing tragedy in developing countries. International Journal of Epidemiology 32: 902–909.

Lee, H.L., Chen, K.W., Chi, C.H., Huang, J.J., Tsai, L.M. (2000). Clinical presentations and prognostic factors of a glyphosate-surfactant herbicide intoxication: a review of 131 cases. Acad Emerg Med, 7: 906–910.

PAN (2009) Monograph on Glyphosate. Pesticide Action Network Asia Pacific.

Peixoto F. (2005) Comparative effects of the Roundup and glyphosate on mitochondrial oxidative phosphorylation. Chemosphere, 61(8): 1115–22.

Roberts, D.M., Buckley, N.A., Mohamed, F., Eddleston, M., Goldstein, D.A., Mehrsheikh, A., Bleeke, M.S., Dawson, A.H. (2010) A prospective observational study of the clinical toxicology of glyphosate-containing herbicides in adults with acute self-poisoning. Clin Toxicol, 48(2): 129–136.

 

Foto: usda. gov

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