Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

Benutzerspezifische Werkzeuge

Sektionen

Sie sind hier: Startseite / Themen / Ökologie / Monsanto: Neue Hinweise auf Risiken von Totalherbizid Roundup

Benutzerspezifische Werkzeuge

Monsanto: Neue Hinweise auf Risiken von Totalherbizid Roundup

Rund 80 Prozent aller weltweit angebauten gentechnisch veränderten Pflanzen enthalten ein Gen, das sie tolerant gegenüber Totalherbiziden mit dem Wirkstoff Glyphosat macht. Der weltweit größte Hersteller von Glyphosat ist der US-Konzern Monsanto, der Totalherbizide mit diesem Inhaltsstoff vor allem unter dem Namen Roundup vermarktet.
Monsanto: Neue Hinweise auf Risiken von Totalherbizid Roundup

Roundup: Toxisch für Wasserflöhe

Nach Industrieangaben (James 2010) wuchsen herbizidtolerante gv-Pflanzen im Jahr 2009 weltweit auf einer Fläche von rund 100 Millionen Hektar. Bei einer solch breiten Anwendung ist die Frage nach der Öko – und Humantoxizität von Glyphosat und Herbiziden, die diesen Wirkstoff enthalten, von beträchtlicher Bedeutung. Nachdem Roundup lange Jahre als eher ungefährliches Pestizid erachtete wurde, werden seit einigen Jahren verstärkt wissenschaftliche Studien veröffentlicht, die auf erhebliche Risiken hindeuten:

  • Benachour et al. (2009) und Gasnier et al. (2009) konnten schon bei minimalen Dosen von Roundup Schäden an menschlichen Zellen nachweisen;
  • weitere Untersuchungen bringen Roundup in Zusammenhang mit Krebserkrankungen wie dem Non-Hodkins-Lymphom (Eriksson et al. 2008).

 

Auch einige jüngst veröffentlichte Studien verdeutlichen, dass die Risiken von Glyphosat/Roundup bislang unterschätzt wurden und eine neue Risikobewertung erforderlich ist.

Glyphosat fördert Entstehung von Hauttumoren

So konnten George et al. (2010) in einem Versuch an Mäusen zeigen, dass Glyphosat die Entstehung von Hauttumoren zwar nicht direkt auslöst, aber fördert. Die Ergebnisse bestärken die Ergebnisse früherer Veröffentlichungen, die darauf hingedeutet hatten, dass Roundup unter anderem Störungen des Zellzyklus verursacht (Marc et al. 2002). Bei den Versuchstieren wurde zudem eine Proteomanalyse durchgeführt. Dabei konnten die US-Forscher verschiedene Eiweißstoffe identifizieren, deren Gehalt durch den Kontakt der Versuchstiere mit Glyphosat stark verändert wurde. Auffälligkeiten wurden insbesondere bei Calcyclin, Calgranulin-B und SOD 1 festgestellt. Diese Proteine stehen z.B. in Zusammenhang mit Zelltod, Zellwachstum, Energiestoffwechsel, der Bildung von Blutgefäßen und der Calcium-Biosynthese.

Mutagen und umwelttoxisch

In einer weiteren Studie wurden sowohl mutagene als auch umwelttoxische Effekte von Glyphosat gefunden. Raipulis et al. (2009) zeigten in einem SOS-Chromotest, dass Glyphosat genotoxische (erbgutverändernde) Eigenschaften besitzt und den als unkritisch erachteten Richtwert um mehr als das Doppelte überstieg. Zudem konnten die Forscher nachweisen, dass Glyphosat bei Wasserflöhen (Daphnia magna), einem Modellorganismus der Ökotoxikologie, bereits in relativ geringen Dosen zu einer hohen Sterblichkeit führt. Eine Dosis von 0,2 g/l Glyphosat führte innerhalb eines Tages zum Tod von 50 Prozent der Wasserflöhe. Die Autoren sehen ihre Ergebnisse als Bestätigung einer ganzen Reihe vorangegangener Studien: Auch andere Tierversuche und epidemologische Berichte hätten gezeigt, dass Glyphosat/Roundup toxisch und erbgutverändernd wirke.

Glyphosat erhöht Krankheitsanfälligkeit von Fischen

In einer weiteren Studie (Kelly et al. 2010) wurde erstmals ein Zusammenhang zwischen einer Glyphosatexposition von Fischen und verstärktem Parasitenbefall hergestellt. Glyphosat erhöht nach den Ergebnissen der Studie das Krankheitsanfälligkeit von bestimmten Fischen. In der Studie wurde die in Neuseeland vorkommende Fischart Galaxias anomalus daraufhin getestet, ob geringe Dosen von Roundup, die dem Wasser beigegeben wurden, die Anfälligkeit der Tiere für den Parasiten Telogaster opisthorchis steigen lässt. Die Studie kritisiert explizit Behörden für die Festsetzung zu hoher Grenzwerte für Glyphosat in Gewässern. Dadurch seien aquatische Ökosysteme nicht angemessen geschützt.

Monsanto beharrt dagegen darauf, dass es sich bei Roundup um ein völlig ungefährliches Pestizid handelt. Noch im Sommer 2009 war vom deutschen Pressesprecher des Konzerns gegenüber dem ZDF folgende Stellungnahme zum Thema Roundup zu vernehmen:

„Das Produkt ist seit über 30 Jahren zugelassen, es gibt keine Hinweise darauf, keine wissenschaftlich haltbaren Hinweise darauf, dass das Produkt weder auf die Umwelt, noch auf die Gesundheit, noch auf Anwender irgendeine Sicherheitsproblematik ausmacht.“

 

Literatur

Benachour, N., Séralini, G.E. (2009) Glyphosate formulations induce apoptosis and necrosis in human umbilical, embryonic, and placental cells. Chem. Res. Toxicol, 22(1), 97-105.

Eriksson, M., Hardell, L., Carlberg, M. and Åkerman, M. (2008) Pesticide exposure as risk factor for non-Hodgkin lymphoma including histopathological subgroup analysis. International Journal of Cancer, 123, 1657–1663.

Gasnier, C., Dumont, C., Benachour, N., Clair, E., Chagnon, M.C., Séralini, G.E. (2009) Glyphosate-based herbicides are toxic and endocrine disruptors in human cell line. Toxicology, 262 (3), 184-191.

George, J., Prasad, S., Mahmood, Z., Shukla, Y. (2010) Studies on glyphosate-induced carcinogenicity in mouse skin: A proteomic approach. Journal of Proteomics, 73 (5), 951-964.

James, C. (2010) Global status of commercialized Biotech/GM crops: 2010. ISAAA Briefs 41-2009. International Service for the Acquisition of Agri-biotech Applications.

Kelly, D.W., Poulin, P., Tompkins, D.M., Townsend, C.R. (2010) Synergistic effects of glyphosate formulation and parasite infection on fish malformations and survival. Journal of Applied Ecology, 47 (2), 498 – 504.

Marc, J., Mulner-Lorillon, M., Boulben, S., Hureau, D., Durand, G., Belle, R. (2002) Pesticide Roundup provokes cell division dysfunction at the level of CDK1/Cyclin B activation. Chem Res Toxicol, 15, 326–31.

Raipulis, J., Toma, M.M., Balode, M. (2010) Toxicity and Genotoxicity Testing of Roundup. Proceedings of the latvian academay of sciences, Section B, Vol. 63 (2009), No. 1/2 (660/661), 29–32.

 

Foto: Wikipedia

abgelegt unter: ,