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Roundup: Neue Studien zur Wirkung auf Embryonen, Fische und Ratten

Das Totalherbizid Roundup ist das am weitesten verbreitete Pestizid der Welt. Rund eine Million Tonnen des Hauptwirkstoffs Glyphosat werden derzeit hergestellt. Auch für die kommenden Jahre gehen Analysten von deutlichen Steigerungen beim Einsatz des Pestizids aus. Bedeutung hat Roundup insbesondere beim Anbau herbizidtoleranter transgener Pflanzen in den USA, in Kanada, Brasilien und Argentinien.
Roundup: Neue Studien zur Wirkung auf Embryonen, Fische und Ratten

Roundup: DNA-Schäden bei Europäischem Aal

Lange galt Roundup als relativ unbedenklich für Umwelt und Gesundheit. Dies wird von Herstellerfirmen wie der US-Firma Monsanto mit dem besonderen Wirkungsmechanismus von Glyphosat begründet. Glyphosat blockiert die Herstellung des Enzyms EPSPS, das ausschließlich in Pflanzen gebildet wird und der Produktion aromatischer Aminosäuren wie Phenylalanin, Tryptophan oder Tyrosin dient. Daher, so die These, könne es bei Menschen und Tieren, die kein EPSPS bilden, zu keinen negativen Auswirkungen kommen. In einer Produktbroschüre schreibt Monsanto (Monsanto 2007):

„Welches Risiko besteht für Menschen und Tiere?
Menschen und Tiere haben kein EPSPS-Enzym. Bei sachgemäßer Anwendung ist eine Gefährdung durch Roundup®-Produkte daher ausgeschlossen.“

Seit einigen Jahren werden jedoch immer mehr wissenschaftliche Studien veröffentlicht, die darauf hindeuten, dass die Risiken glyphosathaltiger Pestizide wie Roundup offenbar unterschätzt wurden. Verschiedene Forschungsarbeiten stellen Roundup unter anderem in Zusammenhang mit Störungen des Zellstoffwechsels, mit Hormonstörungen und mit Krebserkrankungen. (mehr)

Schädigung von Embryonen

In jüngster Zeit sorgte insbesondere die Studie einer argentinischen Forschergruppe um Andrés Carrasco für Diskussionsstoff. Das Team um Carrasco konnte in einer Laborstudie nachweisen, dass Roundup bzw. dessen Hautwirkstoff Glyphosat Missbildungen bei Frosch- und Hühnerembryonen hervorruft (Paganelli et al. 2010). Interesse verdient diese Studie insbesondere aus zwei Gründen:

  • Die Ergebnisse der Untersuchung deuten darauf hin, dass auch der Wirkstoff Glyphosat alleine und nicht nur das Produkt Roundup, das zahlreiche weitere Inhaltsstoffe enthält, Schäden bei Embryonen auslösten. Verschiedene Studien der letzten Jahre hatten dagegen insbesondere die Risiken anderer Inhaltsstoffe des Pestizids betont.
  • Die Studie liefert nach eigenen Angaben neue Hinweise auf die Ursachen von gesundheitlichen Störungen der Landbevölkerung in Argentinien. Dort häufen sich in Gebieten, in denen das Pestizid per Flugzeug über Feldern mit roundupresistenter, gentechnisch veränderter Soja ausgebracht wird, Berichte über Missbildungen bei Babys und eine Erhöhung der Krebsrate.

Zellstörungen bei Aalen

Doch auch in anderen aktuellen Publikationen finden sich Hinweise auf Risiken. So veröffentlichte ein portugiesisches Forscherteam vor kurzem eine Untersuchung über durch Roundup ausgelöste Zellstörungen bei Fischen (Guilherme et al. 2010). Verschiedene Tests hatten bereits in der Vergangenheit gezeigt, dass Roundup genotoxisch bzw. mutagen auf Zellen verschiedener Fischarten wirkt. Allerdings existierte nach Angaben der portugiesischen Forscher bislang keine Studie zu den genotoxischen Wirkungen von Roundup auf europäische Fischarten. Eine nicht unbedeutende Forschungslücke, da verschiedene gentechnisch veränderte Pflanzen mit Roundup-Resistenz auf eine europaweite Anbauzulassung warten.
Das Ziel der portugiesischen Wissenschaftler war es zudem, Roundup-Konzentrationen zu testen, die auch unter realen Anbaubedingungen auftreten könnten (58 bis 116 μg/l).
Das Hauptaugenmerk der Untersuchung lag dabei auf der Analyse von „oxidativem Stress“, also der Störung der Reparatur- und Entgiftungsfunktion der Zellen, die unter anderem zu DNA-Schäden führen kann.
Die Forscher konnten dabei nachweisen, dass Roundup auch in der niedrigsten gewählten Konzentration Schäden am Erbgut der Aale auslösen kann. Feststellen ließen sich sowohl ein erhöhtes Potenzial für DNA-Strangbrüche als auch für cytogenetische Effekte wie Chromosomenbrüche. Die Untersuchung von Blutzellen zeigte, dass offenbar oxidativer Stress die Reparaturmechanismen der Zellen außer Kraft gesetzt hatte.
Zusammenfassend stellen die Wissenschaftler fest, dass ihre Ergebnisse zusätzliche Hinweise auf negative Langzeiteffekte von Roundup erbracht hätten.

Hormonstörungen bei pubertierenden Ratten

Über die Auswirkungen von Roundup auf das Hormonsystem wurden in den vergangenen Jahren bereits zahlreiche Studien publiziert. Eine Lücke in der wissenschaftlichen Literatur konnten unlängst Forscher der Universität Sao Paolo schließen, die in einer Studie die Folgen von Roundup auf heranwachsende und pubertierende Ratten untersuchten. Die Ergebnisse veröffentlichten sie in der Zeitschrift Archives of Toxicology (Romano et al. 2010).
Die Wissenschaftler verabreichten den Tieren über einen Zeitraum von 30 Tagen das glyphosthaltige Pestizid „Roundup Transorb“. Die Forscher erachteten diesen Zeitraum als realistisch, da Roundup nach der Ausbringung 30 bis 90 Tage lang in relevanten Mengen in der Umwelt nachweisbar ist.
Untersucht wurden danach unter anderem die allgemeine körperliche Entwicklung, der Zeitpunkt, an dem die Pubertät einsetzte, die Werte von Testosteron und anderen Hormonen, sowie die Morphologie der Hoden.
Es zeigte sich, dass die Pubertät bei den knapp 70 untersuchten Ratten selbst in der niedrigsten gewählten Dosis (5 mg/kg) signifikant später einsetzt als in der Kontrollgruppe. Daneben stellten die Wissenschaftler Unterschiede im Gewicht von Hoden und Nebennieren fest sowie eine Reduktion der Keimzellen. Zusätzlich zeigten sich signifikante Auswirkungen auf die Testosteronproduktion. Selbst bei der geringsten gewählten Dosis war der Testosteronhaushalt um 30 Prozent verringert.
Zusammenfassend sprechen die Forscher von signifikanten „toxischen Wirkungen auf den reproduktionsrelavanten Hormonhaushalt“ von Ratten.
Zudem schlagen sie einen Bogen zu möglichen Belastungen von Menschen, die mit Roundup in Kontakt kommen. Dies sei insofern bedenklich, als Studien Rückstände des Pestizids im Körper von Landwirten oder der Landbevölkerung nachgewiesen hätten. Aus den Ergebnissen ihrer Untersuchung ziehen sie den Schluss, dass Roundup einen negativen Einfluss auf die Fruchtbarkeit von Menschen haben könnte, die aktiv oder passiv mit Roundup in Kontakt kommen.

 

Literatur

Guilherme, S., Gaivão, I. Santos,M. A., Pacheco, M. (2010) European eel (Anguilla anguilla) genotoxic and pro-oxidant responses following short-term exposure to Roundup®—a glyphosate-based herbicide. Mutagenesis 25(5): 523-530.

Monsanto (2007). Roundup Kompendium. Mehr Wissen für beste Leistung!. 2007. http://www.roundup.de/pdf/Kompendium_Roundup_2007.pdf

Paganelli, A., Gnazzo, V., Acosta, H., López, S.L., Carrasco, A.E. (2010). Glyphosate-based herbicides produce teratogenic effects on vertebrates by impairing retinoic acid signalling. Chem. Res. Toxicol. In press.

Romano, R. M., Romano,M. A., Bernardi, M. M., Furtado, P. V., Oliveira C. A. (2010). Prepubertal exposure to commercial formulation of the herbicide glyphosate alters testosterone levels and testicular morphology. Archives of Toxicology 84 (4): 309-317.

 

Foto: Wikipedia

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